Verfasst von SchVVarzer Peter am 20 Mai, 2008
Stundenlang saß ich nun schon im Flur des Arbeitsamtes und beobachte das fleißige Personal beim Gießen der Blumen und austauschen von Kochrezepten.
Dass ich auch mal hier landen würde, hätte ich nie gedacht.
Da wirken die Worte des jungen Mannes neben mir „Ich bin schon in der dritten Generation arbeitslos und habe auch kein gesteigertes Interesse mit dieser alten Familientradition zu brechen“ wenig aufmunternd.
Aber was sollte ich machen, mein Berufsstand ist eben nicht mehr gefragt, ganz zu schweigen von meinem Alter. Wer stellt in Deutschland noch einen Scharfrichter ein, vielleicht sollte ich doch in die USA auswandern, dort weiß man meine Fähigkeiten wenigstens noch zu schätzen, sinnierte ich so vor mich hin.
Aber noch bin ich nicht so alt und noch immer dynamisch genug etwas Neues zu beginnen.
Nun sitze ich da und hoffte wirklich inständig, dass das Arbeitsamt noch eine Möglichkeit für mich findet, am besten natürlich einen Job, in dem ich meine Fähigkeiten ausleben kann.
Endlich wird meine Nummer aufgerufen und mit klopfendem Herzen und wackligen Beinen betrete ich das Büro.
„Setzen Sie sich!“ herrschte mich eine – einer Dame eher unwürdigen – weibliche Stimme an; ich fühle mich von oben bis unten gemustert.
Sofort lege ich mit zittrigen Händen ehrfurchtsvoll meine gesamten Unterlagen auf den Tisch.
Die Frau stellt nun ihre Gießkanne zur Seite, nicht aber ohne nochmals einen bewundernden Blick auf ihre Zimmer- und Fensterbankbotanik zu werfen, schnappt sich meine Unterlagen und schaut flüchtig drüber.
„Was denken Sie?“, frage ich mit ängstlicher und leiser Stimme, „habe ich noch eine Chance, können Sie mir einen Job vermitteln?“
Die Frau sah mich fast schon vorwurfsvoll an, so als hätte ich ihr gerade angeboten eine Kostprobe meiner „handwerklichen Fähigkeiten“ darzubieten.
„Schauen Sie“, sprach sie zu mir und nun klang ihre Stimme fast ein wenig mütterlich, „wenn es nach mir ginge, würde ich Sie sofort bei uns hier im Amt einstellen“ nach einer kurzen Pause fügte sie noch an „Sie hätten viel zu tun und wir einige Probleme weniger, aber Sie wissen ja,… die Gesetze in Deutschland“.
„Ja“ antwortete ich nun verständnisvoll aber enttäuscht „man lässt mich meinen Beruf hier nicht mehr ausüben“.
„Ja leider“ seufzte sie dann.
„Aber vielleicht gibt es ja die Möglichkeit einer Umschulung?“ fragte ich sie nun fast schon ein wenig kess.
„Mmmhh“ stöhnte sie nur kurz und blickte etwas abwesend wirkend auf ihren Monitor.
„Da haben wir doch was für Sie!“ klang es singend und so euphorisch aus Ihrem Munde, dass der geneigte Leser glauben könnte, man hätte sie gerade in den vorzeitigen Ruhestand umgebettet.
„Eine Umschulung?“ fragte ich ein wenig kleinlaut.
„Nein, viel besser, für diesen Job sind Sie geradezu prädestiniert, Ihre berufliche Ausbildung und Kenntnisse sind eine ideale Voraussetzung für diese Stelle“ entgegnete sie mir süffisant.
„Aha“ sagte ich und fragte dann „um welchen Job handelt es sich denn und wann kann ich bei welcher Firma anfangen?“
„Sie können noch heute Nacht anfangen, Lycos sucht einen Moderator für den Nachtdienst von Lycos IQ, der ideale Job für Sie“ entgegnete sie mir.
„Klasse“ sagte ich nur und strahle sie dabei an, als wäre Sie Halle Berry und wir hätten gerade Sex gehabt „und was muss ich da tun?“ fragte ich weiter.
„Sie müssen sich nur Fantasienamen zulegen wie beispielsweise Bushyasta, Hvenator, Zynischer Hiob, Schmiegelmann oder SchVVarzer Peter und alles deaktivieren was Ihnen nicht in den Kram passt, da haben Sie absolut freie Hand“ erklärte sie mir.
„Hier die Unterlagen, am Besten Sie rufen gleich bei Lycos an, nun muss ich aber gehen, ich habe Mittag und Sie haben mir schon genug meiner Zeit gestohlen“ sagte sie nun in ihrer anfangs schon beschriebenen herrischen Art und verließ den Raum.

Tja liebe Leser, nun kennt Ihr meine berufliche Vergangenheit und auch meine gegenwärtige Tätigkeit, bis zum nächsten Mal,
Euer
Wyatt Earp
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