Verfasst von SchVVarzer Peter am 25 Mai, 2008

Vorschau
Nun ist es wieder soweit, glücklich all jene die ein Hörgerät besitzen… einfach abschalten oder Batterie herausnehmen; der einfachste Weg sein Gehör vor weiteren irrreparablen Schäden zu schützen. Nur das TV-Gerät ausschalten wäre ja zu profan und schon überhaupt nicht „europäisch“.
Also haben wir uns vom Lycosia City-Team, ausgestattet mit Chips und Bier (für Wyatt natürlich Whisky), vor die Glotze gesetzt und uns das „Spektakel“ angesehen.
Die Rede ist hier nicht von irgendeinem schrecklichen Naturereignis, diese kommen ja bekanntlich unvorhergesehen. Nein! Diese Folter für Augen und Ohren ist geplant und sucht uns alljährlich im Mai heim.
Der Eurovision Song Contest
Wie immer ist die Nation gespalten, Millionen Menschen versammeln sich in Deutschlands Metropolen auf den Straßen, um unseren „No Angels“ in Belgrad die Daumen zu drücken, während viele andere einer vernünftigen Beschäftigung nachgehen und sich lieber in Biergärten, zum Grillen im Garten oder einfach nur bei Lycos IQ treffen.
Live-Berichterstattung
Die Kommentare zu allen Nationen wurden noch vor der offiziellen Auswertung verfasst, so dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, wer welchen Platz belegen würde.
Gleich zu Beginn lernen wir von den „Moderatoren“, dass in Serbien dreimal Küssen Glück bringen soll, also werden wir gespant verfolgen, wer denn alles ungeküsst angereist ist.
Nico & Vlad aus Rumänien haben den undankbaren Job als erste auf die Bühne zu müssen. Uns war bisher nicht bekannt, dass man in Rumänien italienisch spricht. Wieder etwas dazu gelernt. Aber man darf davon ausgehen, dass sich dieser grottenschlechte Beitrag auf Rumänisch auch nicht besser angehört hätte.
Es folgt der Geheimfavorit aus Großbritannien, da scheint man wenigstens die Muttersprache noch zu beherrschen. Aber wenn DAS der Geheimfavorit sein soll, schicke ich morgen Lara und Barclay, meine beiden Labradore, zu Dieter Bohlen. Eine CD mit den Geräuschen des Stuhlgangs der Queen würde sich wahrscheinlich besser verkaufen als diese „Antimusik“ von Andy Abraham.
Das ist nun was, denken wir uns bei Lycosia City, Albanien mit Zemrën lamë peng… *peng peng muss doch gut sein, meint auch Wyatt. Aber weit gefehlt, nur Platzpatronen anstatt scharfer Munition… aber wenigstens die Dame hatte ein wenig „Schärfe“
Recht früh ist es dann schon soweit: als vierter Beitrag die No Angels, warum die No Angels und nicht No Music heißen, wird uns wohl für immer ein Rätsel bleiben. Auch werden wir sicher nie erfahren, wer die Damen mit den hässlichen blauen und pinkfarbenen Gardinen ausgestattet hat. Wäre vielleicht mal eine Frage für Lycos IQ: „Wie bringe ich Gardinen zum Singen“. Aber mal ehrlich, Singen hört sich anders an.
Sicher mag Sirusho aus Armenien einen optisch besseren Eindruck als ihr berühmter Landsmann Charles Aznavour hinterlassen, aber musikalisch würden wir uns doch lieber den kleinen Freund von Édith Piaf, wünschen. Dennoch eine solide Vorstellung, bei der man im Gegensatz zu dem vorherigen Beitrag wenigstens vermuten konnte, dass es sich um Gesang handelt.
Ach Du meine Güte, wer ist das denn? Hat Bosnien & Herzegowina da etwa unseren Balendilin zusammen mit Maja auf die Bühne geschickt? Da wäre uns aber das Original lieber. Musik und Choreographie würde jeder Arzt in dessen Zuständigkeitsbereich Augen und Ohren fallen, sofort verbieten. Was uns Laka hier als Kleinkunst-Performance verkaufen möchte, erinnert doch sehr an Daniel Kübelböck. Nein! EINER dieser Sorte reicht uns.
Israel überrascht uns nun mit der „jemenitischen Nachtigall“. Wir meinen: Ab ins All mit der Nachtigall! Auch das man Boaz Mauda zuweilen „Jemenitischer Cowboy“ nennt, kann uns nicht umstimmen, ihn würden wir nicht mal auf einem Kindergeburtstag auftreten lassen.
Ob uns die Finnen wieder schocken wollen, wie vor zwei Jahren mit Lordi? Nein, dieses Mal hat man einfach eine x-beliebige Band aus den 1970-er Jahren hundsmiserabel imitiert. Teräsbetoni präsentiert uns hier eine Unterart des Heavy Metal. Nomen est omen! Betoniert diesen Mann einfach ein, vermissen wird ihn sicher keiner.
Für uns aber eine gute Gelegenheit Chips und Bier aufzufüllen.
Kroatien beweist mit seinen Interpreten Mut zum Alter, ein Hauch von Cabaret. Der alte Charmeur gefiel uns! Slavischer Tango, mal nicht etwas für Pubertätsschlusen. Die Gruppe Kraljevi ulice featuring 75 Cents präsentierte uns die wahrscheinlich ältesten Grand Prix Teilnehmer aller Zeiten, denn seine 75 Jahre machen den rüstigen Rapper zum ältesten Interpreten, der jemals in der über 50-jährigen Geschichte des Eurovision Song Contest zum Mikrofon gegriffen hat.
Lycosia City meint: Daumen nach oben!
Eine schwache Stimme und ein noch schwächerer Beitrag von Isis Gee aus Polen konnten auch zwei kräftige „Argumente“ nicht aufwerten. Das Dekolletés ließ keine Männerwünsche offen, Angela Merkel lässt Grüssen. Wenn unsere Loreley in Blau das Singen lässt, könnte es zumindest für eine Peepshow reichen.
Rhythmisch beginnt Island mit typischem Diskosound. Dem Sänger wurde zuvor das Dauerlächeln wohl eingebrannt. Die Dame erinnert ein wenig an Agneta von ABBA. Solider Vortrag mit „set me free“ Getue von dem Duo Euroband.
Und nun der zweite deutsche Beitrag, ein Döner Sound vom Bosporus, vorgetragen von der türkischen Gruppe Mor ve Ötesi. Der Prenzlauer Berg dürfte nun brennen.
Bei den Gewändern der Portugiesischen Gruppe Vânia Fernandes müssen wir unweigerlich an „Hare Hare Hare“ und Wotis Jünger denken, aber musikalisch nicht das Übelste.
Lettland legt Dschingis Khan neu auf, plumpes Gehüpfe, flacher Text und musikalisch grausam, diese Gruppe hätte nicht mal bei der Mainzer Fastnacht `ne Chance…allenfalls im Musikantenstadl.
Bei Schweden fällt einem sofort ABBA ein, abba was uns diese dünne Hippe als Amanda Lear auf schwedisch vorträgt, zwingt uns fast doch noch zum vorzeitigen Abschalten. Charlotte die Außerirdische nennt sie sich. Wir meinen Charlotte die Unterirdische.
Dänisch Dynamit ist es zwar nicht, was uns Simon Mathew hier vorträgt, aber bisher das einzig Ansprechende, auch wenn die Melodie im Refrain sehr stark an einen alten Song erinnert.
Die blinde Diana Gurtskaya, Georgiens Stevie Wonder, liegt mit ihrem Gesang im Trend, nichts berauschendes aber auch nicht gesundheitsgefährdend, schön das die Dame nicht das Gestrampel der männlichen Cheerleader mit anschauen musste. Bei diesen Herren wusste man sicher, warum man eine blinde Sängerin auf die Bühne schickte.
Ebenso solide der Beitrag aus der Ukraine, nichts berauschendes, die Optik war ok und musikalisch hat man schon schlechteres gehört. Die Dame erinnert ein wenig an Senta Berger.
Gespannt erwarten wir nun Frankreich und zu unserem Erstaunen wurde der Beitrag fast komplett auf Englisch vorgetragen. „NEIN! Das möchte ich nicht hören“ schreit Wyatt Earp hinter seiner Whiskyflasche hervor. Da geben wir im absolut recht, ein Franzose hat französisch zu singen… ist ja wie ein Kölner der Altbier trinkt. Wir befürchten Ironsofa dürfte bei diesem Beitrag zum „Entleeren“ auf die Toilette gerannt sein.
Elnur und Samir aus Aserbaidschan geben uns zu Beginn direkt eine Kostprobe, wie es sich anhören muss mit amputierten Nüssen singen zu müssen. Naja, danach wurde es ein wenig besser, aber nicht wirklich berauschend was uns die Herren in Engelskostümen da vortrugen.
„Die Griechen müssen sparen“, könnte man bei dem Anblick des kurzen Röckchens von Kalomira denken. Schlecht war der Song nicht, schien aber sehr an Janet Jackson angelehnt. Wyatt verfolgte den Song wohl nur mit den Augen…*fg
In welchem Kostümverleih haben die Spanier nur diesen Rodolfo Chikilicuatre ausgegraben? Dann lieber ne Glatze als so `ne Frisur, und den Sprechgesang bekommt unser Dackel auch noch hin, nur würde er ein besseres Bild dabei abgeben. Wir dachten es wäre ein Song Contest und kein Komiker-Wettbewerb, aber selbst da wäre dieser Beitrag vollkommen deplatziert gewesen.
Das „Heimspiel“ von Jelena Tomasevic für Serbien konnte nicht nur ihre Landsleute überzeugen, wir fanden es ebenfalls nicht schlecht, auch wenn es nicht der Sound war, der bei dem Eurovision Song Contest Publikum uneingeschränkt ankommt.
Als vorletzen Beitrag nun Russland mit Dima Bilan, unterstützt von einem ungarischen Geiger mit echter Stradivari. Performance und Choreographie waren stimmig, einen Gehörschaden musste man auch nicht befürchten. Alles in Allem wahrscheinlich jene Musik die man bei einem solchen Contest hören möchte. Aber großes Kino war der Beitrag – wie alle anderen auch – natürlich nicht.
Maria Haukaas Storeng aus Norwegen, eine Mischung aus Shakira und Lisa Bund bildetet den Abschluss. Keine schlechte Stimme, auch der Potpourri aus vielen bekannten Hits war nicht schlecht anzuhören, aber insgesamt zu brav um aufs Treppchen zu kommen.
Nachtrag
Russland hat den Wettbewerb gewonnen, eine vertretbare Entscheidung und wahrscheinlich auch verdienter Sieg eines Einäugigen unter Blinden, in einem mehr als schwachen Contest.
Zu der Platzierung der musikalischen Vertretung Deutschlands lässt sich nur feststellen: „Jeder bekommst das was er verdient“. No Angels – No Music – No Voice – No Points!
Fazit: Der Eurovision Song Contest ist zu einem bunten Kasperletheater heruntergekommen, bei dem mit viel Glück auch mal Interpreten mit Gesangesstimme zu hören und zu sehen sind. Bedauerlicherweise werden sie dann aber in Kostüme und Choreographien verpackt, dass man schreiend davonlaufen möchte.
Vielen Beiträgen würden wir einen Zahnarztbesuch vorziehen.
In diesem Sinne allen noch einen schönen Restsonntag mit ein bisschen Frieden.
Euer Lycosia Team
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