Verfasst von miamicool am 18 Juni, 2008
Nun war es also endlich soweit! Nach weiteren drei Fehlversuchen – den Termin mit Jolly Jumper versuchte SchVVarzer Peter auf einer Ponyfarm wahrzunehmen, beim Wei§§en Peter fühlte er sich auf den Arm genommen und erschien erst gar nicht und beim dritten Mal hatte angeblich eine Politesse sein Auto deaktiviert – erschien unser „Kreativer Maler“ also tatsächlich in den Redaktionsräumen von Lycosia City.
Wyatt Earp wurde zwar leichenblass und murmelte noch Stunden später immer wieder „mein Ruin, mein Ruin, mein Ruin“ vor sich hin, als er hörte, was ihn die Verschönerung unserer Redaktion kosten sollte, aber vor dem Hintergrund seiner angestaubten Artikel konnten wir ihn dann doch davon überzeugen, dass Farbe Lebensfreude und neue Ideen bringen würde.
Und 1.500 Euro plus 100.000 Bonuspunkte bei Lycos IQ war nun wirklich nicht zu viel verlangt. Das Geld verdient Wyatt Earp in seiner Tätigkeit als „mutmaßlich“ unbezahlter Moderator bei Lycos in wenigen Tagen und über unsere vielen Doppelaccounts haben wir die Bonuspunkte auch schnell zusammen. Zur Not wird einfach eine Einsteinfrage deaktiviert, da haben wir schon fast die 100.000 Punkte.

Für Montag den 09. Juni 8 Uhr hatte uns der SchVVarze Peter seine Malertruppe angekündigt, bis zum Abend des gleichen Tages sollte alles erledigt sein – so wurde uns versprochen.
Und tatsächlich, Punkt 8 Uhr stand ein weißer Malerbus vor der Tür, aus dem sage und schreibe fünf Männer in weißer, farbbekleckster Kleidung ausstiegen.
„Wollen die das ganze Haus streichen“, dachte ich so für mich, als es auch schon klingelte.
Unsere vorwitzige Jolly öffnete die Tür.
„Guten Tag, wir Maler von Firma Kreativteam und sollen streichen Büro“ stellte sich ein junger Mann – der Sprache nach offensichtlich fremdländischer Herkunft – vor.
„Dann kommen sie erst mal rein“ entgegnete ihnen Jolly, nicht ohne auch noch süffisant zu hinterfragen „nur fünf Leute, schafft Ihr das denn an einem Tag?“
„Nix fünf Leute, drei Kollega andere Baustelle, nur bringen uns hier“ entgegnete der junge Mann unserer Jolly und stellte sich dabei auch gleich höflich vor: „Ich bin Tibor und Kollega heißen Imre, aber wir immer nur sagen „alte Imre“ weil in Firma noch eine junge Imre arbeiten. Wir beide Ungarisch“.
Die Männer trugen Farbeimer, Leitern und jede Menge Abdeckmaterial und Werkzeug ins Büro und machten sich auch gleich daran alles in Folie einzupacken und abzudecken.
Nun kamen auch Wyatt, Weißer Peter und Leroy hinzu, Wyatt bot den Malern wahlweise Kaffee, Mineralwasser, Säfte oder Bier an. Zu unserem Erstaunen meinte aber Tibor „Nix Bier, schlecht für Arbeit, Kaffee und Wasser gut“.
Kurz darauf erschien Tibor mit einer Farbkarte vor dem immer noch versammelten Team und meinte zu Wyatt, den er wohl schon direkt als Chef ausgemacht hatte: „Cheffe muss Du gucken welche Farbe sollen streichen“.
Während die beiden Maler immer noch alles abdeckten und einpackten, als stünden sie mit Christo im Wettbewerb, schauten wir gemeinsam in die Farbkarte.
Wei§§er Peter war dafür alles weiß zu streichen, Leroy war mehr für ein grau, Jolly erzählte immer etwas von Erdtönen, ich hielt mich da vorsichthalber ganz heraus und Wyatt fragte bei jeder zur Diskussion stehenden Farbe den Maler Tibor „kostet das auch nicht mehr?“
Nach heftigen Diskussionen und wenigstens 20 verschiedenen, immer wieder verworfenen Farbvorschlägen, setzte sich unsere Jolly mit einem Terrakotta-Farbton – jedenfalls nannte sie ihn so, Wyatt meinte ständig es wäre Aprikose - durch.
Wir zeigten nun Tibor den Farbton auf der Karte, worauf ein Lächeln sein Gesicht überzog und er mit dem Finger auf die Farbe deutete und meinte: „Kerülbelül! Gute Farbe.“.
Aha, uns war sofort klar, Aprikose heißt also auf Ungarisch Kerülbelül. „Das wäre doch mal `ne Frage für Lycos IQ“ meinte dann auch Leroy.
Nachdem die Maler nun alles so verpackt hatten, dass Jolly fast unter der Folie verschwunden wäre, schaute sich „alte Imre“ die Wände prüfend an und murmelte etwas für uns Unverständliches zu seinem Kollegen Tibor. Daraufhin kam Tibor zu uns und meinte: „Wände schlecht, viel Nikotin, geht nix normale Dispersionsfarbe, muss spezielle Farbe“
„Dann nehmen Sie einfach die spezielle Farbe“ meinte Wyatt lapidar.
„Das nix so einfach, muss Cheffe anrufen, Spezialfarbe bringen, wir nur normale Farbe hier, und Du müssen mit Cheffe sprechen, Spezialfarbe teuer“ entgegnete ihm Tibor.
Mit knallrotem Kopf und einem hundertfach erhöhtem Infarktrisiko suchte Wyatt daraufhin das Telefon. Dies lag aber unter wenigstens 10 Schichten Folie und Klebeband, so dass er schließlich zum Handy griff um den „SchVVarzen Banditen“ anzurufen.
Wyatt brüllte so laut, dass man meinen konnte er wisse noch nicht, dass es schon Telefon gibt, aber irgendwann hatten sich die beiden Herren wohl geeinigt. Worauf, haben wir allerdings bis heute nicht erfahren. Jedenfalls war 15 Minuten später ein Kollege unserer beiden ungarischen Maler da und brachte die gewünschte Spezialfarbe.
Nun erschien Tibor wieder bei uns mit der Farbkarte und meinte: „Diese Farbton mit Spezialfarbe sehr schwer, Spezialfarbe muss andere Abtönfarbe“
„Also wollen Sie uns nun damit sagen, dass wir einen anderen Farbton aussuchen müssen? Wir haben Kerülbelül ausgesucht und das wollen wir auch, basta!“ schrie Wyatt den armen Kerl an.
Tibor ließ sich aber absolut nicht von dem Geschreie Wyatt`s beindrucken und entgegnete seelenruhig: „Natürlich, Kerülbelül kein Problem, machen also alle Wände Kerülbelül“ und dabei deutete er immer wieder auf den von Jolly ausgesuchten Terrakotta-Farbton.
Im Anschluss daran öffnete Tibor zwei metallene Farbeimer und schüttete diese in eine große Wanne.
„Was riecht denn hier so penetrant, davon bekommt man ja Kopfschmerzen?“ jammerte nun Leroy.
„Das ist Farbe, Spezialfarbe haben Lösemittel, das bisschen stinkt, vielleicht besser spazieren gehen, um 4 Uhr fertig, dann wiederkommen“ erklärte Tibor mit freundlichem Lächeln.
„Okay, wir können hier ohnehin nicht arbeiten, solange alles abgedeckt ist. Ich schlage vor wir gehen alle nach Hause und finden uns um 17 Uhr wieder hier ein. Heute ist Nachtarbeit angesagt. Der Artikel über den Suizid von Issdummware muss diese Nacht auf jeden Fall noch raus. Und Du Jolly fährst nach Weihmichl zur Beisetzung und machst Fotos, die Gelegenheit alle Lycos-Moderatoren auf einem Bild abzulichten werden wir nie mehr wieder bekommen“, gab uns nun Wyatt klare Anweisung.
„Soll ich vielleicht versuchen ein Interview von „Empore“ oder „Fuß Teufels“ zu erhaschen?“ fragte ich den Chef vorsichtig.
„Gute Idee, aber bevor Du die weite Strecke fährst, schau erst mal bei Volkshetz 1313 vorbei, vielleicht sitzen die schon alle bei ihm und feiern“ gab Wyatt mir noch einen klugen Rat.
„Wei$$er Peter, und Du klärst in der Zwischenzeit in der Gerichtsmedizin, wie es zu der suizidalen Vergiftung kam, ob es wirklich stimmt, dass es ausreichte sich nur auf die Zunge zu beißen oder ob er noch zusätzlich Gift einnahm“ rief Wyatt unserem Wei§§en im Gehen noch zu.
Montag der 9. Juli, 17 Uhr

Pünktlich haben wir uns alle wieder vor der Redaktion eingefunden, der Malerbus stand nicht mehr vor der Tür. Ein gutes Zeichen, die Herren dürften wohl ihr Tagwerk vollbracht haben.
Erwartungsfroh schritten wir nun alle zur Eingangstür.
Wie immer war unsere Jolly drei Schritte voraus, schloss die Tür auf und trat ein… Ein lauter Schrei, der sogar die Glasbausteine im Treppenhaus zum Platzen zu bringen drohte, war von ihr noch zu vernehmen, ehe sie in Ohnmacht fiel.
Nun konnten auch wir den Grund hierfür sehen, es verschlug uns allen, sogar Wyatt, die Sprache.
Unsere Redaktion leuchtete uns in kräftigem Magenta entgegen.
Während ich unsere gesamte EDV schon mal anschaltete, griff Wyatt sofort zum Telefon.
Offensichtlich hatte er es aber nur mit einem Anrufbeantworter zu tun, denn er schrie ins Telefon „Ich erwarte heute noch Ihren Rückruf, wir hatten ganz klar Kerülbelül vereinbart und kein Magenta, wie soll man bei dieser Farbe arbeiten können“.
Der Computer war mittlerweile hochgefahren und ich gab so rein intuitiv einmal das Wort „Kerülbelül“ in Google ein. Ein paar Klicks weiter stand es dann in großen Buchstaben zu lesen:
Kerülbelül: [ungarisch] Umschreibung „UNGEFÄHR“
C.U. und bleibt cool together.
Miamicool
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