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Ein bewegendes Schicksal – Zeit zum Nachdenken …

Verfasst von SchVVarzer Peter am 13 November, 2009

Der Tod jedes von seiner Familie und Freunden geliebten Menschen ist zweifelsfrei eine Tragödie für diejenigen die ihn geliebt, gemocht oder geschätzt haben. Wenn der Tod aber unter so dramatischen Umständen eintritt wie bei dem Nationaltorhüter Robert Enke, ist er umso mehr ein Schock, der dann oft dazu führt, dass zuvor Geheimgehaltenes und Verdrängtes zutage tritt. Robert Enke litt unter Depressionen, eine Krankheit von der Schätzungen zufolge fast jeder 10. erwachsene Mensch hierzulande betroffen ist. Vor diesem Hintergrund grenzt es schon fast an ein Wunder, dass er – zumal über einen so langen Zeitraum – fähig und in der Lage war, konstant solche sportlichen Höchstleistungen zu vollbringen. Es muss davon ausgegangen werden, dass viele Spitzenathleten in einer ganz ähnlichen Lage waren oder noch sind – das zum Glück nicht so tragisch endende aber ähnlich gelagerte  Schicksal von Sebastian Deisler dürfte vielen noch in Erinnerung sein oder gerade jetzt wieder in Erinnerung gerufen werden.

Aber auch in anderen Bereichen wie Beispielsweise Wirtschaft und Showbusiness gibt es genügend Anzeichen, dass manche Top-Leute heimlich elend leiden – es ist ein Teufelskreis.

Nicht wenige mögen nun argumentieren: „Sicher, aber einer wie Robert Enke, war privilegiert, prominent, hatte Geld, ein Umfeld das ihn stützte und beistand, er stand auf der Sonnenseite des Lebens, ihm ging es doch weit besser als anderen, die chancenlos in der Gosse krepieren oder schon in ein Umfeld ohne wirklichen Perspektiven hineingeboren wurde.“ Diese Betrachtungsweise ist sicher verständlich und auch nicht falsch, aber sie führt nicht weiter. Klar, einer wie Robert Enke war privilegiert, dies half ihm offenbar auch eine zeitlang, aber dann eben doch nicht mehr.

Der Tod von Robert Enke hat ganz intensiv damit zu tun, dass sich die sogenannte „moderne Gesellschaft“ im Wesentlichen in zwei Gruppen gliedert: die „Starken“ und die „Schwachen“. Wobei sich nicht zwangsläufig ausschließt, dass jemand reich und privilegiert ist, und dennoch schwach, also krank.

Für Schwache gibt es aber in unserer sogenannten modernen Gesellschaft, einer gnadenlosen Leistungsgesellschaft, kaum Platz, sie werden bestenfalls geduldet.

Nicht von ungefähr kommt das Nostalgiedenken vieler in der DDR aufgewachsnen Menschen, denn bei allen Ungerechtigkeiten in dieser Diktatur gab es eines in diesem Maße wie im „Westen“ nicht – den permanenten Leistungsdruck, den täglichen Kampf um’s Überleben, sowohl materiell als auch emotional.

Wer krank ist oder auch nur empfindlich, hat es in unserer Gesellschaft meist ziemlich schwer. Für „Mimosen“ ist kein Platz. Gefragt sind Robuste – wobei absolut nichts gegen Robustheit spricht, im Gegenteil. Allerdings darf die Robustheit nicht über Leichen gehen.

Das traurige Fazit aus der tragischen Geschichte um Robert Enke lautet, dass es allzu oft inhuman zugeht unter den Menschen heutzutage und dagegen gibt es bisher und sicher auch in naher Zukunft kein schlüssiges Rezept. Es bleibt allein der dringende Appell, aufmerksam zu sein und sich zu kümmern um diejenigen, die laut oder stumm nach Hilfe rufen. Es bleibt aber auch die Warnung, dass es kein gutes Ende nimmt mit einer Gesellschaft, wenn sie ausschließlich auf das Recht des Stärkeren setzt oder gar über Leichen geht.

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, Zeit der Besinnung, aber auch wieder eine Zeit die viele aus unterschiedlichen Gründen unter Druck setzt – möge die Besinnung mit den Menschen sein.

In diesem Sinne, allen ein schönes Wochenende mit ein wenig Licht im Herzen, in diesen grauen Novembertagen.

SchVVarzer Peter

43 Antworten zu “Ein bewegendes Schicksal – Zeit zum Nachdenken …”

  1. TillEulenspiegel sagte

    Lieber Peter,

    ein bewegender Artikel.

    Nichts ist schlimmer, als am Rande einer an der Oberflaeche glitzernden Gesellschaft zu stehen.
    Menschen muessen heute bis ins hohe Alter jung, schlank, geistig auf der Hoehe, koerperlich fit und moeglichst auch noch wohlhabend sein.

    Und gerade Krankheiten wie Schizophrenie, Depression aber auch Aids werden als „degradierend“ angesehen.

    „Der natuerliche Tod bei einer (unbehandelten) Depression ist der Selbstmord.“

    Er muss es nicht zwangslaeufig sein.
    Wir muessen nur lernen, ueber Erkrankungen der Seele zu sprechen, damit die Tabuisierung endlich aufhoert.

    Welche Familie es auch immer trifft – reich, arm, erfolgreich, erfolglos – es trifft nicht nur einen sondern alle.
    Und jeder der Betroffenen braucht einen Arm, der ihn stuetzt oder eine Schulter, an der er sich mal ausweinen kann.

    Ich hoffe, dass der Tod Robert Enkes zu einer Diskussion fuehren wird, die am Ende eine etwas humanere und weniger glitzernde Gesellschaft zur Folge haben koennte.

    LG
    TillEulenspiegel

  2. MC-5 sagte

    Da kann etwas dran sein, denn Robert Enke war gerade einmal 12 Jahre alt, als die Mauer gefällt wurde. Robert wuchs in Jena auf und Michael Ballack kannte ihn seit seinem 13. Lebensjahr. Es ist richtig, dass die kommunizierte Gesellschaft „glitzernd“ dargestellt wird. Aber unterdrückt wird, dass die Leistung NICHT von den Kommunikatoren erbracht wird: Mannnager, Vorstände, Banker, Prollitiker, Lehrer, Juristen, Moderatoren, Schiedsrichter, Administratoren.

    Ballack war in England. Wäre er erreichbar gewesen, hätte Robert einen guten Ratgeber gefunden.

    LG MC-5

  3. Bruder Jakob sagte

    Wieder ein ganz hervorragender Beitrag!

  4. IsabelRose sagte

    Im Nebel

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Einsam ist jeder Busch und Stein.
    Kein Baum sieht den andern,
    Jeder ist allein.

    Voll von Freunden war mir die Welt,
    Als noch mein Leben licht war,
    Nun, da der Nebel fällt,
    Ist keiner mehr sichtbar.

    (Hermann Hesse)

  5. tilleulenspiegel sagte

    Wunderschoen! Danke!
    Wie koennen wir das Leben der Menschen, die im Dunkeln oder im Nebel wandern, erhellen?
    Oder erkennen, dass ein Mensch, obwohl er aeusserlich wie ein Kristallspiegel funkelt, innerlich langsam zerbricht?

    LG
    TillEulenspiegel

  6. Sofitware sagte

    Der Sinn des Lebens?

    „Diese Frage wurde deaktiviert, da sie schon vielfach beantwortet wurde“.

    Robert Enke hinterläßt eine Frau und ein Kind.

    Natürlich hinterläßt ein solcher Fall Betroffenheit, zu Veränderungen wird er wohl leider nicht führen.
    Zu tief liegen die eigentlichen Probleme, zu groß ist der Unverständnis der Personen, die sich verändern müßten.

    Robert Enke soll Mitglied einer populären Mannschaft gewesen sein.
    Es muß gefragt werden, welche Individualisten kicken denn da?
    Mit dem Leistungsdruck einer Gesellschaft kann dies aus meiner Sicht nicht erklärt werden.

    Vielmehr scheint es doch ein Führungsproblem zu sein.
    Was soll es bringen, jeden gegen jeden auszuspielen?
    Ist das leistungsfördernd?
    Jeder Spitzensportler versucht seine optimale Leistung zu bringen und erkennt selbst, wenn es mal nicht so gut läuft.
    Was sollen die viel gelobten eisenharten Trainer, die durchgreifen?
    Was soll ein eisenharter Sanierer bei Opel?
    Was sollen eisenharte Moderatoren, die durchgreifen?
    Dauerhaften Erfolg haben sie alle nicht.
    Ein solch autokratischer Führungsstil herrscht beim Militär, mit nachweisbar miserablen Ergebnissen.

    Es gab einmal eine erfolgreiche Fußballmannschaft, die hieß FC Bayern München.
    Beruf des Trainers: Pädagoge.
    Da ich selbst viele schöne Wochenenden und Wochen meiner Jugend in der Sportschule Grünwald verbringen durfte und diese Zeit mein Leben mitgeprägt hat, erlaube ich mir darauf hinzuweisen, welch fortschrittlicher, freiheitlicher und kameradschaftlicher Geist damals dort geweht hat.
    Es war immer wieder spannend, mit welch sportlichen Konkurrenten man das Doppelzimmer teilen und damit eine Zwangs-Schicksalsgemeinschaft bilden mußte, um die vermeintlich bestehenden Hausregeln auszuhebeln.
    Am Ende waren wir alle Freunde, die sportlich fair um den Sieg kämpften.
    Für Funktionäre, Presse und sonstige Personen ist es natürlich etwas verwirrend, jederzeit ins feindliche Lager gehen zu können, um z.B. fehlende oder defekte Schuhe in der passenden Größe für jeden organisieren zu können.
    Amüsant verfolgt man deshalb die Sportberichterstattung, wie sie heute geboten wird.
    Natürlich habe ich Verständnis für den Politiker, der Geld locker macht, damit sein Team gewinnt.
    Natürlich habe ich Verständnis für die Lokalpresse, die gerne möchte, daß das Team ihrer Leser gewinnt.
    Natürlich habe ich Verständnis für den Zuschauer, der gerne möchte, daß sein Team gewinnt.
    Wenn mein Freund aber gewinnt, weil er besser war, dann kann ich mich mit ihm freuen.
    Eine/n echten Freund/in zu haben ist wichtiger, als viele Personen zu kennen, die sich im sportlichen oder persönlichen Erfolg anderer sonnen wollen, und die den Sinn des Lebens und des Sports NICHT verstanden zu haben.

    @TillEulenspiegel
    Wie koennen wir das Leben der Menschen, die im Dunkeln oder im Nebel wandern, erhellen?

    Durch Zuneigung.
    Einfach den Menschen sagen, daß man sie als Mensch mag, sie schätzt und sich freut, ab und zu in ihrer Nähe sein zu können.
    Eben der Sinn des Lebens, anderen Freude zu schenken.
    Kostet nix, kann jeder, Dosierung beliebig.

  7. tilleulenspiegel sagte

    @ Sofitware: Ich meinte nicht die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens sind, sondern die, die selber kein Licht mehr erkennen koennen.
    Menschen auf der Schattenseite erreiche ich, wie Du schon schriebst, durch Zuneigung oder Hinwendung.
    Ich meinte die Menschen, die ich im Innern nicht erreichen kann, weil sie durch eine Depression oder ein seelisches Trauma nicht erreicht werden koennen.

  8. SchVVarzer Peter sagte

    @Tilleulenspiegel, ich denke, der von Dir angesprochenen Gruppe helfen zu wollen ist der falsche Gedankenansatz. Ist es erst einmal so weit, haben es selbst Menschen die sich professionell damit beschäftigen schwer den von Depressionen betroffenen zu erreichen. Die Hilfe kann ergo nur in der Prävention liegen. Wir müssen weniger blind, weniger egoistisch und weniger überheblich gegenüber Schwächeren durchs Leben gehen. Nur so können wir erkennen, nur so hat der Betroffene eine – wenn auch geringe – Chance sich zu öffnen oder erst gar nicht in eine solche Situation zu geraten, zumindest nicht in diesen Intensionen.

  9. tilleulenspiegel sagte

    @ SchVVarzerPeter: und genau da liegt das Problem. Wie soll/kann Praevention aussehen?
    Wie will man eine Depression im Vorfeld erkennen, ausser man macht ueber die Medien permanent auf eine Anzahl moeglicher Hinweise aufmerksam.
    Und auch dann ist es fuer den Laien noch fast unmoeglich, den Beginn einer Depression zu erkennen.
    Siehst Du einen manisch-depressiven Menschen immer in der manischen Phase, denkst Du vielleicht: welch eine Ulknudel, wie witzig, charmant usw.
    Siehst du ihn dann einige Zeit nicht, weil er unerkannt und unentdeckt allein seine depressive Phase auslebt, kannst Du immer noch nichts ahnen.
    Ich kenne einen Fall, da hat sich eine Mutter mit ihrem Kind umgebracht. Es gab vorher keine Anzeichen – nur eine Tante war manisch-depressiv.
    Vielleicht koennte eine Praevention in einer Enttabuisierung bestehen, indem man eine Depression als eine in den meisten Faellen therapierbare Krankheit bezeichnet, die nicht mehr als andere Krnakheiten auch von Arbeit/Leistungen abhaelt.
    In einem Punkt stimme ich Dir ohne jeden Vorbehalt zu: unsere Gesellschaft muss wieder humaner werden.
    Hoert man sehr alten Menschen bei ihren Erzaehlungen zu, kommt immer wieder rueber, dass trotz entsetzlicher Armut nach dem Krieg die Menschen zusammengehalten und sich gegenseitig geholfen haben.

  10. SchVVarzer Peter sagte

    @Tilleulenspiegel, ja, humaner, einfach menschlicher muss der Umgang untereinander werden. Sofitware hat es mit wenigen Worten genau auf den Punkt gebracht:

    „Durch Zuneigung. 
Einfach den Menschen sagen, daß man sie als Mensch mag, sie schätzt und sich freut, ab und zu in ihrer Nähe sein zu können.
 Eben der Sinn des Lebens, anderen Freude zu schenken.
 Kostet nix, kann jeder, Dosierung beliebig.“

    Wir hatten Ende der 1990er Jahre bei Mainz 05 einen, wie sich später herausstellte, manisch Depressiven Spieler, Guido Ehrhardt. Obwohl er nur selten in der Stammelf war und 90 Minuten durchspielte, war er der absolute Publikumsliebling und bei seinen Mannschaftskameraden überaus beliebt, eben weil er in seinen manischen Phasen der Spaßvogel war, aber auch weil er stets für jeden und alles ein offenes Ohr hatte, sozial engagiert und ausgesprochen hilfsbereit war. Bei seinem damaligen Trainer Wolfgang Frank und seinem Mannschaftskameraden und Mainzer Kapitän Lars Schmidt fand er alle nur erdenkliche Hilfe, dennoch holte in 4 Jahre später, nach dem Ende seiner Fußballlaufbahn, seine Krankheit wieder ein und er warf sich vor einen Zug.

    Selbst Lars Schmidt, mit dem er bis zu seinem tragischen Tod über den Fußball hinaus befreundet war, konnte ihn zum Schluss nicht mehr erreichen.

  11. Sofitware sagte

    @Tilleulenspiegel

    Depressionen sind ein weites Feld.
    Es wird davon ausgegangen, daß Depressionen medizinische und/oder psychologische Gründe haben.

    Ob es tatsächlich medizinische Gründe gibt, mag ich nicht entscheiden und müßte dann auch medizinisch gelöst werden.

    Viel wahrscheinlicher ist die psychologische Variante.
    Wer war nicht schon einmal niedergeschlagen und empfand die Welt als ungerecht?
    Ein gewisses hadern mit der Welt nach schweren Schicksalsschlägen ist nicht verwunderlich und erzeugt schnell suizide Gedanken.
    Dem kann sich der Einzelne nur entziehen, wenn er Selbstbewußtsein zeigt und seine Bedeutung für die Welt kennt.
    Jeder Menschen, dem wir wiederkehrend begegnen, hat eine Bedeutung in unserem Leben und nimmt einen Platz in unserer Welt ein.
    Die Mission ist immer Selbstbewußtsein bei Menschen zu erzeugen, damit sie uns als Menschen begegnen und wir sie wertschätzen.
    Ob jemand diese Botschaft annimmt, ist seine ureigene Entscheidung.
    Er ist verantwortlich für seine Handlungen, wir für unsere.
    Es ist unsere Aufgabe, dem anderen Selbstbewußtsein zuzugestehen.
    Das macht die Welt für uns nicht einfacher, aber schöner.

    Das grasse Gegenteil ist COSMiQ.
    Dort wird versucht das Selbstbewußtsein der User zu zerstören, um mit ihnen einfacher umspringen zu können.
    Das mag das Handling einfacher machen, es ist aber ein grauer Novembertag, ohne Geist, ohne Inspiration, ohne Anforderung.
    Wer keine Anforderungen meistert und sich bewährt, der bekommt auch kein Selbstbewußtsein. Ein Teufelskreis.
    Deswegen auch meine früheren Ausführungen zur Meinung, es wäre alles sinnlos, da der Stärkere sich eh durchsetzt.

    Demjenigen, der sich bei Sturm in die Koje vergrabbelt, geht es auf jeden Fall psychologisch schlechter als demjenigen, der auf die Brücke geht und dem Sturm die Stirn zeigt.

    Ein Franz Beckenbauer trommelt die Presse zusammen und berichtet vom freudigen Ereignis erneut Vater zu werden, die Mutter sei die Sekretärin des FC Bayern.
    Weitere Fragen, aber bitte nicht zu genau, Vater wird man ja nicht alleine.
    Der Mann hat keine Depressionen, weil man ihm frühzeitig Selbstbewußtsein beigebracht hat.

    Es ist aber wahnsinnig schwierig bis unmöglich, Menschen die bereits dicht gemacht haben, noch zu erreichen.

    Suizid ist so eine Sache.
    Manche senden Hilferufe aus, die oft überhört werden, manche handeln spontan, mit anderen, die offen darüber mit einem reden, gibt es strenge Vereinbarungen.
    Sofern es keine explizite feste Vereinbarung gibt, ist es keineswegs so, daß sich diese Personen an Vertrauenspersonen wenden, weil sie weder sich, noch Familie, noch die Vertrauenspersonen wertschätzen.
    Wobei der Suizidgrund für eine Außenstehenden in der Regel nicht nachvollziehbar ist. Suizid aus Liebeskummer, Streit oder finanziellen Problemen ist auf jeden Fall völlig inakzeptabel.

  12. MC-5 sagte

    Ein Depressiver lenkt SICH selbst oft von den schwer lenkbaren Gefühlen AB. Eine breite „akute“ Öffentlichkeit ist dazu ideal. Aber: Nach dem Aufwachen, bei einer Autofahrt, ja selbst auf der Toilette werden die Gefühle – die eigentlich fehlende Gehirnbotenstoffe sind – wieder wahr genommen. Als „wahr“ angenommen…..

    Die Welt ist ein Konstrukt des individuellen Gehirns, nicht objektivistisch, nicht absolut. Niemals und noch nie gewesen. Hilfe würde in einer philosophisch angelegten Systemintervention bestehen. Er hätte eine solche FRAU gebraucht. Sein „Therapeut“ hatte diese Ader augenscheinlich nicht. Er war ein Chemiker und Schwätzer.

  13. Sofitware sagte

    @MC-5

    Bereits vorher hatte ich darauf hingewiesen, daß er eine Frau und ein Kind hinterläßt.

    Es ist für ihn eine Frage der Prioritätensetzung.
    Welche Bedeutung hatte für ihn seine Frau und sein Kind?

    Auf der anderen Seite sind Menschen, die sich in diesen seelischen Abgründen bewegen schwer zu erreichen.

    Ein guter Freund von mir ist auch aus Liebeskummer, weil seine Freundin mit ihm Schluß gemacht hatte, mittags gegen einen Baum gefahren, obwohl er abends einen Termin mit mir hatte.
    Eine bodenlose Frechheit mir gegenüber. Meine Schuld?
    Dann war Krankenhausbesuch statt Training angesagt.

    Mediziner glauben natürlich an ihre Tropfen und Tabletten.
    An was sollen sie sonst glauben?
    Keiner lebt so ungesund wie Mediziner, weil sie nur eine Tablette einwerfen müssen und dann alles behoben ist.

    Vorsorge ist immer besser als nachträglich kurieren wollen.

  14. mnijenje sagte

    Hat dieser Egoist eigentlich an die Lokführer gedacht, die jetzt ein Trauma fürs Leben haben? Nein!

    Wenn er sich schon umbringen musste, dann hätte er wenigstens eine Art auswählen sollen, bei der nicht andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Der Einwand, er hätte spontan gehandelt, kann nicht gelten, da er sich den Platz ausgesucht, einen Abschiedsbrief geschrieben und sich weit entfernt von seinem Auto auf die Gleise gestellt hat.

    So tragisch das Ganze ist, und das ist es sicherlich, das steht vollkommen ausser Frage, die Frage, wie sich die Lok-Führer jetzt fühlen müssen, die wird in der Diskussion gar nicht gestellt…

    gruss

  15. SchVVarzer Peter sagte

    @mnijenje, in diesem Artikel geht es um MENSCHEN, die in eine solch auswegslose Situation wie Robert Enke geraten, um die Frage: „was können wir, was kann die Gesellschaft tun, diesen Menschen zu helfen oder es erst gar nicht so weit kommen zu lassen? Welcher Mittel sich ein depressiver Mensch seines Suizid bedient ist konkret in dieser Diskussion nebensächlich.

    Grundsätzlich hast Du natürlich Recht, wenn Du auch auf die Situation der durch diesen Freitod betroffenen hinweist, sei es wie in Deinem Kommentar zu dem Lokführer, oder auch ganz naheliegend die Ehefrau, seine Tochter oder andere nahe Angehörige.

    Was mir missfällt ist der Tonfall in Deinem Statement. Du sprichst von Egoismus, Robert Enke habe nicht darüber nachgedacht, welche Folgen die gewählte Form seines Freitods für den Lokführer haben könnte und dessen Leid billigend in Kauf genommen.

    Die Psychologie kennt für an solchen Krankheiten leidende Menschen keine Schuld, ein sehr komplexes Thema, daher möchte ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

    Was mich an Deinem Kommentar stört – und siehe dies bitte als konstruktive Kritik und nicht als bösartige Provokation – ist diese Selbstherrlichkeit in Eurem Denken, das kein Links und Rechts zulässt, oft nur eine, die eigene Meinung gelten lässt.

    Der junge User hat eine anscheinend dumme Frage gestellt: Anstatt eine kluge Antwort zu geben, werden junge Menschen pauschal als Generation Doof abgestempelt.

    Der User übt sachliche Kritik: Es wird nicht darüber nachgedacht ob, und seien es nur wenige Punkte, diese Kritik angebracht ist. Nein! Er wird als starrköpfiger Bayer, schmieriger Schlagersängertyp, dummer Anstreicher oder schlicht als Hetzer bezeichnet.

    Der in eine für sich scheinbar auswegslose Situation geratene Mensch begeht Suizid, hat nicht über die Wahl der Mittel nachgedacht. Hinterfragen ob der dies überhaupt noch konnte? Nein! Er ist dann mal ganz schnell der „Egoist.“

    Lieber mnijenje, Du hast zweifelsfrei Recht, im ganzen Hype um den Freitod von Robert Enke sollte auch an den Lokführer gedacht werden, aber vielleicht besser an anderer Stelle und nicht in diesem Artikel, vor allem aber sachlich ohne zu stigmatisieren.

    Gerne gebe ich Dir Gelegenheit zu zeigen, dass Du kein destruktiver Schreiberling bist der nur negieren möchte was von uns geschrieben wird. Einen Artikel von DIR, aus Deiner Sicht, der sich mit der Situation des Lokführers auseinandersetzt, würde ich gerne einstellen. Es bedeutet etwas mehr Aufwand als nur Kritik zu üben, vor allem aber tiefer in die Materie einzusteigen und ein wenig darüber nachzudenken was man schreibt. Hast Du den Mut, kannst Du das überhaupt?

    Beste Grüße und Dir noch einen schönen Sonntag

    Peter

  16. Sofitware sagte

    @mnijenje

    Wer unter Christoph Mohn gearbeitet hat, dem geht nach kurzer Zeit jegliche Empathie ab.
    Der normale Mensche denkt dann, wie kann man nur so daneben liegen.
    Daran denke bitte, bevor du dich in Zukunft äußerst.
    Immer abchecken, ob es Deiner Aussage an Empathie mangelt.
    Danke.

  17. SchVVarzer Peter sagte

    Guido Ehrhardt – gleiches Schicksal

  18. tilleulenspiegel sagte

    @ mnijenje: Es ging in diesem Artikel nicht um die Menschen, die auch von dem Selbstmord betroffen wurden. Es ging allein um den einen Menschen, der sich umgebracht hat.
    Die Tatsache, dass Robert Enke einen bekannten Namen hatte, macht es moeglich, eine Diskussion ueber Depressionen zu eroeffnen.
    Es stimmt, die Lokfuehrer stehen unter Schock und haben ein Trauma fuers Leben.
    Ebenso die Feuerwehrleute, Sanitaeter und Polizisten, die – ich will es sehr vorsichtig ausdruecken – sich um den Tatort und die Bahnstrecke kuemmern mussten.
    Ebenso seine Frau und sein Kind.

    Hat Robert Enke soweit gedacht ?
    Nein.
    Wie weit denkt ein Mensch, der einen Suizid plant?
    Er kann ihn im Geiste durchspielen, damit er erfolgreich ist. Das bedeutet, dass er sich schon Tage vorher den Platz ansehen kann, den Zugfahrplan besorgen – denn er brauchte ja einen Zug – ein solcher Mensch faehrt dann beruhigt in der Gewissheit nach Hause, dass es ihm ab dem Tag X besser gehen wird.
    Jeder, der von der Golden Gate Bruecke gesprungen ist, musste ein gutes Stueck laufen, um von einem hohen Punkt aus zu springen.
    Jeder, der sich mit seinem Wagen vor einen Baum faehrt, hat einen Weg bis zu dem Baum hinter sich.

    Ein Suizid muss nicht immer spontan erfolgen, er kann sehr wohl ueber Tage, selbst Wochen geplant worden sein.

    Und wir duerfen nicht vergessen, dass uns beim Gedanken an einen Suizid das Grausen ueberkommt, einen depressiven Menschen, der ihn plant, jedoch ein Gefuehl der Freude, der Erloesung aus dem Leben, der Erloesung von seinem Leiden.
    Wenn Robert Enke der Weg auf die Gleise als gute und sichere Moeglichkeit fuer seinen Suizid erschien, was sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang, duerfen wir ihn nicht dafuer tadeln.

    In einem solchen Fall koennte man ebenso gut die Bundesbahn tadeln, die ihre Lokfuehrer nicht durch Zaeune schuetzt.

    Irgendwelche fremden Menschen werden bei einem Suizid immer involviert.
    Denkt der Betreffende darueber nach?
    Nein!

    Und nun erhebt sich die Frage, ob irgendwelche Anzeichen fuer einen geplanten Suizid, der ja den Menschen in eine wesentlich bessere Position als das aussichtslose Leben bringen soll!!, vorher wahrgenommen werden konnten oder wahrgenommen worden sind.
    Und genau diese Frage war der Ansatz fuer die Ueberlegungen hier.
    Kann man einem Menschen ansehen, kann man an Anzeichen erkennen, dass er so depressiv ist, dass er sich umbringen will?
    Ich halte es fuer menschenunwuerdig, einem Toten Vorwuerfe zu machen fuer die Art seines Suizids.

  19. IsabelRose sagte

    Hallo mnijenje,

    „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

    http://www.wisd.de/wichtigstesgebot.html

    Der Nächste ist nicht derjenige, der uns liebt, sondern der Nächste ist derjenige, der unsere Liebe benötigt.

    Mit etwas mehr „Menschlichkeit“ – für den anderen Menschen dazusein, sich die Zeit zu nehmen ihm wenigstens zuzuhören – was oft schon viel hilft, wenn ein Mensch sich aussprechen kann und darf, würden viele „Unglücke“ evtl. nicht passieren. Doch in der Hektik unserer Zeit denkt fast jeder nur an sich und seine oftmals „kleinen Wehwehchen“.

    R. Enke war trotz seiner Erfolge in der Seele krank (Verlustängste, Sehnsucht) und kann letztendlich für sein Tun und Handeln nicht verurteilt werden, genauso wenig, wie ein Alkoholiker – auch Alkoholismus ist eine Krankheit.

    Ich gebe Dir allerdings Recht, das es für die Lokführer ein Schock war und ist, doch daran denkt ein kranker Mensch nicht und das hat insofern nichts mit Egoismus zu tun.
    Gesunder Egoismus ist auch mal an sich denken, damit man von anderen nicht aufgefressen wird.

    Grüße zur „grünen“ Insel hin.

  20. mnijenje sagte

    Eure Kritik an meinem Beitrag in allen Ehren, aber ich bleibe bei dem Punkt. Herr Enke hat seinen Selbstmord zumindest mittelfristig geplant. Die Durchführung, soweit bislang bekannt, sollte kurz und schmerzlos gehen. Ich sehe das weit weniger emotional als andere Gesprächsteilnehmer. Er sah scheinbar den Zug als Ding, als Werkzeug. An die Menschen in dem Zug dachte er nicht, er dachte nicht an die Folgen für seine Familie, er hatte Angst zu versagen, er hatte Angst, den Stempel eines Kranken zu bekommen. Er wollte nur eins… flüchten vor allem! Dabei war noch gar nichts passiert, ihm wurde Hilfe angeboten!!! Der Herr ist aber lieber geflüchtet…

    Wenn er sich schon umbringen musste, warum hat er nicht eine Art gewählt? Warum musste es ein Zug sein? Hatte er etwa auch Angst, dass Alkohol und Pillen ihre Wirkung nicht täten? Hatte er Angst, verbluten oder ertrinken würde zu lange dauern? Der Knoten des Seils oder der Ast würde nicht halten?

    Nicht auszudenken, wäre er ein Geisterfahrer gewesen…

  21. Bruder Jakob sagte

    Der Kommentar von mnijenje ist an Verzerrung und Zuspitzung, Verkennung der Dinge und an eitler Voreingenommenheit gar nicht mehr zu überbieten. Das muss man auch vor dem Hintergrund des ansonsten meist zynischen Wirkens von mnijenje in Lycos iQ und in COSMIQ sehen. Selbstverständlich kann man immer eine zentrische oder exzentrische Wichtigkeit und einen anderen Blickwinkel und Focus setzen und niemals die Pietät im Auge behalten – was soll so eine gewollte Lenkung in eine andere Betrachtungsweise. Kein Mensch klammert das Mitgefühl mit dem Zugführer au8s, aber dieser lebt, während das Opfer der Depressionen verstorben ist. Man erkennt Leutem die nur zynische oder abwegige Zuspitzungen bevorzugen, wie mnijenje meistens sehr rasch an ihren himmelschreienden Vergleichen und Unzulänglichkeiten in der Darlegung.

    Der User mnijenje hat jahrelang den Handlungen von „zynischer_Hiob“ zugestimmt, dummes Zeug anstatt Argumente gerbracht und er war unter anderem daran beteiligt, zahlreiche User zu mobben und mit völlig abseitigen Kommentaren zu verletzten. Das sollten alle wissen, auch Irrende wie Klugi, die von falschen Freunden wie mnijenje um den Finger gewickelt wurden und nach wie vor getäuscht werden.

    Vor diesem Hintergrund, muss man sich nicht über die seltsamen Kommentare von mnijenje wundern, der wie Ironsofa eine verquerte Art offenbart, falls er4 nicht mit diesem identisch sein sollte.

  22. SchVVarzer Peter sagte

    AN ALLE!

    Meines Dafürhaltens läuft die Diskussion ein wenig aus dem Ruder und in die falsche Richtung. Das Thema dieses Beitrags ist NICHT Lycos oder Burda. Vor dem Hintergrund des themenauslösenden Schicksal des Robert Enke halte ich es für – vorsichtig formuliert – wenig emphatisch, Diskussionen um und über Lycos in diesen Artikel hineinzuragen.

    Was die Diskussionen zu dem Lokführer angeht, dies hat auch wenig mit diesem Artikel tun, ist aber sicher ein interessantes Thema für einen neuen Beitrag – wir von Liberty City werden darüber nachdenken dazu einen Beitrag zu verfassen, bis dahin wäre ich Euch dankbar, wenn wir beim eigentlichen Thema bleiben könnten.

    Peter

  23. Sofitware sagte

    @SchVVarzer Peter

    Keine Angst, wir bleiben schon beim Thema.

    Aus meiner Sicht, wird jemand, der mit dem Gedanken des Freitods spielt, weder eine Checkliste erstellen und Blumengießen abhaken, noch für seinen Hamster einen 6-Wochen-Vorrat anlegen.

    Würde er dies tun, gäbe es keinen Grund für den Freitod.

    Diese Personen befinden sich aus ihrer Sicht in einer auswegslosen Situation.
    Manchmal ist es Protest, manchmal Verzweiflung, manchmal das Gefühl persönlich versagt zu haben.

    Wer eine Idee hat, wie er das Problem lösen kann, wer ihm helfen könnte, oder ob es nicht viel wichtigere schöne Dinge auf der Welt gibt (Blumengießen, Hamsterfüttern, In-die-Sonne-setzen), der findet auch einen Weg.

  24. SchVVarzer Peter sagte

    @Sofitware, mein Kommentar soll bitte nicht als Kritik oder gar Maßregelung verstanden werde. Aber wir alle wissen, wie schnell man vom Thema abkommen kann, davor wollte ich UNS nur warnen. Das zwangsläufig immer mal wieder Querverweise zu Lycos, in Themen die an sich nichts mit Lycos zu tun haben, kommen, ist vor dem Hintergrund dieses Blogs unvermeidlich und als normal anzusehen.

  25. MC-5 sagte

    Matthias ist Recht zu geben: Das „normale“ Leben und die „Wahr-Nehmung“ der „Realität“ sind eine Konstruktion des Gehirns, basierend auf Elektrik und Biochemie. Wenn ein Computer den Windows-Loader nicht lesen kann, dann nützt die gesamte Installation des Windows-Betriebssystems nicht. Es wird nicht „erreicht“ (also ausgeführt). Mnijenje ist nicht „zynisch“ (das wäre er, wenn er die Menschen hassen würde, weil sie sich umbringen KÖNNEN. Aus dem Fehlen, es für sich selbst zu KÖNNEN!;-))). Nein! Mnijenje ist HÖHNISCH. Es referriert über einen Ameisenbär, in dem er auf Ameisen referriert, nur weil dieser diese futtert. Du D*pp! Menschlich eine NULL. Geistig: Ein flacher Mittelmässiger, der den „Cheap Trick“ ausführen, aber nicht erfinden kann. Bye Bye!

    MC-5

  26. SchVVarzer Peter sagte

    Die Tatsache, dass mnijenje eine andere, aus unserer Sichtweise falsche Meinung zu Lycos iQ/COSMiQ vertritt, darf uns nicht dazu verleiten, ihn öffentlich menschlich abzuqualifizieren. Er vertritt zu dem Thema „Suizid und Folgen der Beteiligen“ seine Meinung und die haben wir zu respektieren. Mich persönlich störte es lediglich, dass er einen kranken Menschen, der nicht mehr Herr seiner Sinne war, als Egoisten bezeichnete. Dies hat er allerdings in seinem Kommentar Nr. 20 relativiert. Grundsätzlich sehe ich in seinem Kommentar interessante Denkanstöße dieses Thema in einem eigenen und neuen Artikel genauer auszuleuchten. Sind wir doch einmal ehrlich, hätte ich einen Kommentar wie jenen von mnijenje verfasst, wäre die Kritik dann die gleiche gewesen?

  27. Klugi sagte

    peter, sie wäre es – nur ohne beleidigungen. kritik auf die nette art eben. ;)

    brüderchen, ich werde von keinem um die finger gewickelt …

    zum thema: WIESO er letzendlich den weg des suizids als „lösung“ sah, bleibt sein denken. empathie bringt in diesem fall nur wenig, denn wir kannten ihn nich (zumindest ich nicht) persönlich. um einen menschen zu trauern, den man nicht (persönlich) kennt, bringt an sich nichts.
    würde man um jeden menschen trauern, der umkommt, kämee man aus dem trauern nicht mehr heraus.
    um einen menschen zu trauern, der den freitod wählte, ist ebenso irgentwie kopflos – er WOLLTE sterben, wozu tränen als dritter verlieren?
    leid tut mir die familie (und gute bekannte) enkes, sie haben einen sohn, einen mann, einen vater, möglicherweise einen guten freund verloren – trauer um robert enke habe ich aber nicht …

  28. Sofitware sagte

    Peter,
    die Kritik wäre die Gleiche gewesen.

    Warum sollte jemand, der lebenslange psychische Schäden bei Kind und Frau zurücklässt, an einen anonymen Lokführer denken?
    Es geht doch immer um die Frage, welche „Schuld“ lädt sich jemand am Tod einer anderen Person auf.

    Der Personenkreis in seinem direkten Umfeld ist doch viel stärker betroffen, da ist die Familie, die Ärzte, die Freunde, die Mitspieler, die Trainer, die Vereine, die Reporter, die Zuschauer.
    Jeder von ihnen wird sich quälend fragen, ob er es nicht hätte verhindern können.

    Ein Freitod, mag er auch noch sehr geplant geplant sein, am Ende ist er fast immer eine fatale spontane Fehl-Entscheidung, da unumkehrbar.

    Im Prinzip darfst du eine suizidgefährdete Person keinen Augenblick aus den Augen verlieren und mußt ständig seine Stimmungslage und Situation überprüfen.

    Jeder wird sich Vorwürfe machen, obwohl es, objektiv betrachtet, für alle eine nahezu unmögliche Aufgabe war.

    Meine Prioritäts-Rangfolge der Betroffenen sehe ich in der Reihenfolge Getöteter, Familie, Freunde, Bekannte, Lokführer, Polizei.
    Wer die Reihenfolge umkehrt, dem werfe ich mangelde Empathie vor.
    Natürlich muß auch der weitere Kreis der Betroffenen betrachtet werden, aber bitte nicht so, wie oben geschehen, im mangelnden Respekt vor dem Toten.
    Gäbe es mehr menschliche Achtung, Respekt und Toleranz, dann würde die Anzahl der suizidgefährdeten Personen nicht steigen, sondern fallen.
    Jeder kann etwas dazu beitragen.

  29. Sofitware sagte

    Zitat klugi:
    „um einen menschen zu trauern, der den freitod wählte, ist ebenso irgentwie kopflos – er WOLLTE sterben, wozu tränen als dritter verlieren?“

    Klugi,
    persönlich gehe ich davon aus, dass sowohl Du, als auch mnijenje, als Lokführer die Notbremse ziehen würdest.
    Die Empathie zwingt zur Handlung, auch Unbekannten gegenüber.

    Von der Akzeptanz einer fremden Fehlentscheidung keine Spur.
    Das funktioniert nur als Nicht-Betroffener und nur theoretisch.

    Das Gleiche gilt bei dem gesamten Thema Sterbehilfe.
    Es kann einer hundermal gesagt und geschrieben haben, man möge die Geräte im hoffnungslosen Fall abschalten, verantwortlich, vor allem vor sich selbst, ist immer der, der die weitere Hilfe verweigert.
    Ein solcher Hinweis erleichert die Entscheidung nur.
    Das kann nicht einfach unter dem Punkt, er hat es ja so gewollt, bzw. er ist ja selber Schuld, abgehakt werden.
    Warum hat er es gewollt, wollte er es wirklich, war er im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte? …

    Das Leben anderer Menschen auszuknippsen durch unterlassene Hilfeleistung, bzw. einen Freitod zu akzeptieren, ist nicht so einfach, erst Recht nicht, wenn die Gründe, wie im besprochenen Fall, wahrscheinlich, von Außen betrachtet, eher harmlos sind.

  30. Klugi sagte

    Sicher würde ich die Notbremse ziehen – aber was hätte das dann für einen Nutzen?
    Nehmen wir an, ein Mann steht an den Gleisen, ich bin der Lokführer. Der Mann springt, ich betätige die Notbremse – in voller Fahrt.
    Wer sagt mir, das kein Passagier hinten steht, vielleicht durch die Notbremsung (tötlich) verletzt wird?
    Und auch würde der Zug kaum stehen bleiben, bevor er den Mann erwischt.
    Folgen wir daraus, das ich durch die Bremsung nun mehrere Menschen (tötlich) verletzte, einen Menschen umbrachte und damit leben müsste …
    … mit diesem Gedanken, einen, vielleicht mehrere Menschen umgebracht zu haben, könnte ICH nicht alt werden!

    Nun, Deppressionen sind kaum harmlos – selbst von außen sollten wir endlich drüber nachdenken, wie es dazu kommt, dass ein Mensch einfach keine Lust mehr hat.
    Man bot Enke Hilfe an – wieso hat er sie nicht angenommen? Weil er es nicht wollte – er wollte sterben. Und ich denke auch, das Enke geistig voll auf der Höhe war; er wusste, was er tat und warum er es tat.
    Und ja, es gibt Menschen, die keinen Plan haben, was sie da machen. Aber: Wenn ein Mensch seinen Tod will, sollte man auch DAS respektieren.
    Um wieder auf Robert Enke (möge er in Fireden ruhen!) zurück zu kommen. Wir wissen ja nicht, wie lange er es schon plante – vlt wäre er schon lange tot. Dieser Suizid war sein letzter Hilfeschrei – und es sieht auch so aus, als hätte ihm die Therapie nicht geholfen …

  31. MC-5 sagte

    „Man bot Enke Hilfe an – wieso hat er sie nicht angenommen? Weil er es nicht wollte – er wollte sterben. Und ich denke auch, das Enke geistig voll auf der Höhe war; er wusste, was er tat und warum er es tat.“ Klugi

    Er war in voller therapeutischer Behandlung eines Arztes aus Köln, der ihm von Christoph Daum dazu empfohlen wurde. Daum war informiert über sein Leiden. Ballack wusste es ebenfalls. Robert Enke nahm zudem über lange Jahre starke Medikamente. Nein Klugi, Du irrst.

    LG MC-5

  32. SchVVarzer Peter sagte

    Wir haben es hier mit einer Thematik zu tun, die meines Erachtens moralisch betrachtet unterschiedliche Meinungen zulässt.

    Psychologisch betrachtet liegt ganz klar eine Schuldunfähigkeit vor, auch die Gesetzgebung im Strafrecht, welche sich in solchen Fällen auf psychiatrische Gutachten stützt, sähe eine Schuldunfähigkeit. Privatrechtlich allerdings würde einer Klage der Bahn, sollte der Suizidale am Leben bleiben, Erfolg beschieden sein – bei den Forderungen, welche geltend gemacht würden, kann da schon mal das Eigenheim draufgehen.

    Die moralische Bewertung wird jedoch von Fall zu Fall und je nach dem wie jemand davon betroffen ist unterschiedlich ausfallen.

    Robert Enke war ein tadelloser Sportsmann, menschlich integer und in vielen Projekten sozial engagiert, außerdem kam bei seinem Suizid niemand körperlich (die Seele nehme ich hier aus) zu Schaden. Alles Faktoren die ihm in der öffentlichen Darstellung seines Suizides positiv zu Gute kamen.

    Aber tauschen wir doch einmal bei gleicher Handlung die Personen aus. Würde die Berichterstattung bei einem Lothar Matthäus oder Christoph Mohn ebenso positiv sein?

    Wäre es auch zu dieser großen Anteilnahme und den Trauerfeierlichkeiten in der AWD-Arena gekommen, wären Menschen zu Schaden oder gar ums Leben gekommen?

    Würden wir dann nicht den betroffenen Suizidalen neu, eben ganz anders bewerten müssen?

  33. tilleulenspiegel sagte

    Wir muessen uns leider eingestehen, dass es trotz modernster Medizin Krankheitsfaelle gibt, die nicht therapierbar sind.
    Ob Robert Enkes Depression zu diesen Faellen gezaehlt hat – wir wissen es nicht und es geht uns im Prinzip auch nichts an. Das ist eine Sache, die ausschliesslich ihn selber, seine Familie, vielleicht Freunde und die behandelnden Aerzte angeht. Nicht umsonst gibt es eine aerztliche Schweigepflicht.
    Was uns, die Gesellschaft angeht, ist die Tatsache, dass das Thema Depression noch immer tabuisiert wird. Wir koennen nur mutmassen, dass mit mehr Offenheit und ohne das Stigma der „seelischen Erkrankung“ der Druck des Verschweigens von Robert Enkes Schultern haette genommen werden koennen. Ob er es wahrgenommen haette und ob es ihm geholfen haette- wir werden es vielleicht nie erfahren.
    Auf der anderen Seite hat jeder Patient das Recht, ueber eine Erkrankung zu sprechen oder auch nicht. Vielleicht haette Robert Enke darueber gesprochen – auch das wissen wir nicht und werden es vielleicht nie erfahren.
    Um aber diese Welt menschlicher zu machen, sollten wir alle uns dafuer einsetzen, dass in der Zukunft ueber Depressionen ebenso offen gesprochen werden kann wie ueber AIDS, was wir Elizabeth Taylors Einsatz vor vielen Jahren zu verdanken haben, und dass Menschen mit einer Depression ganz normal in unsere Gesellschaft integriert sind.

  34. Sofitware sagte

    Klugi
    Er war seit sechs Wochen wieder krank.
    Das eigentliche Problem scheint gewesen zu sein, daß er den Fußball viel zu wichtig nahm und sein Leben mit seinem sportlichen Erfolg verknüpft hat.
    Das geht bei Hochleistungssportlern zwangsläufig schief, denn eine sportliche Höchstleistung zu Erbringen ist eine Ausnahmesituation.

    MC-5
    da verwechselt du etwas
    http://www.welt.de/sport/fussball/article5213485/Enkes-Freund-findet-Daums-Verhalten-beschaemend.html

    SchVVarzer Peter
    Fußballer sind in Deutschland beliebt, Unternehmer nicht.
    Mal den freundlichsten Beitrag herausgesucht
    http://www.stern.de/wirtschaft/news/unternehmen/adolf-merckle-ein-selbstmord-als-symbol-650747.html

  35. SchVVarzer Peter sagte

    Sofitware, so makaber es klingen mag – so gesehen war der Suizid des sympathischen und allseits geschätzten Menschen Robert Enke ein Aufruf an die Öffentlichkeit, sensibler und verständnisvoller miteinander umzugehen, unsre Ellenbogengesellschaft in der nur der vermeintlich Starke überleben kann neu zu überdenken und sich auch intensiver mit dem Thema Depressionen auseinanderzusetzen.

    Man muss aber kein Prophet sein um zu konstatieren, dass die Wirkung dieses Aufrufs in wenigen Wochen wieder verpufft sein wird. Einige wenige werden vielleicht ihr Tun und Handeln auf den Prüfstand stellen, mehr darf man allerdings nicht erwarten.

    Die Aussagen von Christoph Daum halte ich für nichts anderes als Lügen und Wichtigtuerei. Würde sich Robert Enke ihm wirklich, in den wenigen Tagen die sie miteinander zu tun hatten, derart geöffnet haben, hätte ein Mensch mit Anstand und Charakter darüber geschwiegen.

    Originalton Christoph Daum: „Er (Robert Enke) hat mir ein Geheimnis anvertraut, dass ich niemals preisgeben werde“.

    So ein ausgemachter Schmarr’n! Der Herr wollte mal wieder als Mister Wichtig in die Medien, sonst nichts.

    Die wahren Freunde Enkes, Jörg Nebelung und Mario Villa, sind in meinen Augen absolut glaubwürdig, was man von Herrn Daum nie behaupten konnte und auch jetzt erst recht nicht behaupten kann.

  36. Sofitware sagte

    Koks ist nicht gut für das Gehirn.

  37. SchVVarzer Peter sagte

    @MC-5, ich muss mich bei Dir entschuldigen, Du hattest Recht. Irgendwie ist Dein Kommentar einige Zeit nach der Veröffentlichung im Trash gelandet. Da war ich beim Aufräumen wohl zu gründlich. :-(

    Um Deiner Frage zuvorzukommen: NEIN! Christoph Daum sitzt nicht neben mir. ;-)

    LG
    Peter

  38. TillEulenspiegel sagte

    Lieber MC-5, lieber Peter,

    ich habe den Beitrag von MC-5 auch gelesen. Falls ich ihn aus Versehen in den Trash geschoben habe,tut es mir sehr leid.
    Dann 1. mea culpa, mea maxima culpa und
    2. bitte Asche auf mein Haupt.

    LG
    TillEulenspiegel

  39. SchVVarzer Peter sagte

    Ich habe den Beitrag wieder aus dem Müll geholt, geputzt, desinfiziert und erneut eingestellt – Schaden behoben. :-)

  40. tilleulenspiegel sagte

    Danke. Seufz… ;-)

  41. Klugi sagte

    @ MC
    „Er war in voller therapeutischer Behandlung eines Arztes aus Köln, der ihm von Christoph Daum dazu empfohlen wurde. Daum war informiert über sein Leiden. Ballack wusste es ebenfalls. Robert Enke nahm zudem über lange Jahre starke Medikamente. Nein Klugi, Du irrst.“

    „Voll“ war sie nicht – ich denke, er würde besser dran gewesen sein, wäre er für 1 – 2 Monate in eine geschlossene psychologische/psychatrische Klinik gegangen.
    Wieso es besser wäre? Weil er dann mal nicht zwischen den Pfosten stehen müsste und dem Druck, wie Matthias schon sagte, endlich mal entfliehen könnte.
    Ebendies lehnte er aber ab:
    „Vorschläge, sich in die stationäre Behandlung zu begeben, lehnte er ab, ebenso wie andere ambulante Behandlungen in der Stadt. Nach hergestellten Kontakten kam es nicht zur weiteren Aufnahme der Behandlung, weil er die Behandlung ablehnte. Noch am Tag des Selbstmordes telefonierte er mit dem Chefarzt seiner Klinik und sagte bis auf weiteres die stationäre Aufnahme ab, weil es ihm besser gehe…
    Trotz intensiver ärztlicher Bemühungen und aufopfernder Unterstützungen der Angehörigen gelang es uns nicht, Robert Enke vor Selbstmord zu bewahren. In seinem Abschiedsbrief entschuldigte er sich bei den Angehörigen und dem Behandler für die bewusste Täuschung über seinen seelischen Zustand der letzten Tage, der notwendig war, um seinen Selbstmordplan verwirklichen zu können. Eine Indikation aus meiner Sicht für die Zwangseinweisung bestand zu keinem Zeitpunkt, da sich Robert Enke stets von akuten Selbstmordgedanken glaubwürdig distanzierte, behandlungsmotiviert sich an die abgesprochenen Gesprächstermine gehalten hat…Robert Enke wollte sein Privatleben schützen und nicht öffentlich machen. Und wir sollten dies auch nach seinem Tod respektieren und den Angehörigen Zeit geben, das Geschehene zu verarbeiten…“
    http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=news&itemid=10006&detailid=662833

    Auch das gibt mir zu denken – wer einen depressiven Menschen behandelt, sollte wissen, wie schnell ein solcher an Suizid denkt.

    @ Sofitware
    „Er war seit sechs Wochen wieder krank.“

    Wieder krank? Ein depressiver Mensch wird nie vollständig geheilt werden – denn es werden lediglich die Symptome mit Medikamenten bekämpft – der Ursprung des Übels wird mit Gesprächen so weit es geht „ausgemerzt“ … Vollständig ist nie möglich – ebenso wie eine Sucht geistig nie zu besiegen ist.

  42. tilleulenspiegel sagte

    Es gibt Situationen, in denen der Wurm drin ist, und niemand weiss, wie das bloede Vieh da reingekommen ist.
    Wir geloben Besserung und bitten um Entschuldigung.

  43. MC-5 sagte

    Hi Klugi,

    richtig! Ich hatte schon oben geschrieben, dass sein Therapeut „ein Chemiker und Schwätzer“ gewesen sein (in meinen Augen!). Was ich mit dem Zitat sagen wollte, war, dass Deine Aussage eben nicht stimmte, er wäre nicht in Behandlung gewesen.

    LG

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