In vielen Märchen, Sagen, Fabeln werden Tiere herangezogen um sie mit dem Menschen zu vergleichen. In den meisten, von diesen genannten Bereichen, spielen Wolf und Fuchs eine große Rolle – sie verkörpern meist Gemeinheit und Hinterlist.
Heute möchte ich mich allerdings einmal mit dem Elefanten beschäftigen – im Speziellen mit dem einzelgängerischen alten Bullen.
Lebt er in jungen Jahren mit anderen Jungbullen zusammen um seine Kräfte messen zu können, so wird er in späteren Jahren oft zu einem bösartigen und unberechenbaren Einzelgänger.
Ausgestoßen von der Gruppe, führt er ein tristes Dasein, immer auf Konfrontationskurs mit anderen Lebewesen, die seinen Weg kreuzen.
Warum er von der Gruppe isoliert und ausgegrenzt wird, ist nicht so ganz klar – wahrscheinlich ist es aber so, dass er durch sein aggressives Verhalten, keinen Zugang zur Gruppe mehr finden kann, und die Herde ihn deshalb ausgrenzt.
Begegnet man einem solchen Einzelgänger, sollte man schnell das Weite suchen, denn vor seinen Wutausbrüchen und deren Folgen sollte man sich auf jeden Fall zu schützen wissen.
Dies gestaltet sich allerdings nicht so einfach, wie es vielleicht den Anschein haben mag – ein einmal in Rage geratener Einzelgänger trampelt in seiner blinden Wut alles nieder, was ihm in die Quere kommt und sein degeneriertes Wesen macht es ihm schier unmöglich, über die Konsequenzen seines Handelns nachzudenken (wobei man das Wort Nachdenken nicht allzu wörtlich nehmen sollte – Denken setzt Verstand voraus und dieser ist hier aus rein menschlichem Gesichtspunkten wohl kaum vorhanden).
Sollte man das „Glück“ haben, dass einem ein Einzelgänger über den Weg läuft, besser keine unbedachten Bewegungen machen, es könnte fürchterlich enden.
All dies als Gesamtheit betrachtend, mag man meinen, dass so ein elefantöser Einzelgänger schrecklich einsam sein muss – mitnichten! – er wird auf seinem einsamen Weg von allerlei Getier begleitet. Da wären zunächst einmal die Pillendreher, kleine Käfer – die sich mit Freude auf die fäkalen Hinterlassenschaften des Einzelgängers stürzen und diese nur all zu gern aufsammeln und verwerten. Auch der weiße Kuhreiher sucht gern die Gesellschaft, des Elefanten – er sitzt auf seinem Rücken, geniest die Aussicht und nimmt sich gern der Parasiten an, die sich auf dem Wirtstier versammeln; eine kleine autonome ökologische Gemeinschaft also.
Elefanten sind schon immer für ihr gutes Gedächtnis bekannt und ein bösartiger Einzelgänger vergisst nichts, was ihm einmal zugefügt wurde, was sich im Einzelfall sehr zum Nachteil für seine potentiellen „Gegner“ auswirken kann. Auch nach Jahren wird ein Elefant noch die Erinnerung an das haben, was ihm widerfuhr und diese entsprechend seiner primitiven, durchaus für seine Verhältnisse intelligenten Art und Weise entsprechend, zu vergelten suchen.
Diese kurze Beschreibung einmal auf die menschliche Gesellschaft umgesetzt, formt sich mir vor Augen das Bild eines gemeinen und bösartigen Menschen, den es nicht interessiert, wie sich die Mehrheit seiner Mitmenschen fühlt, wenn er einen seiner sprichwörtlichen Wutanfälle bekommt und alles um sich herum dem Erdboden gleich zu machen sucht. Dieser Mensch sollte gemieden werden, denn auch er besitzt wie ein Elefant riesige Ohren – die alles hören, eine lange Nase – die er in alles reinsteckt und er umgibt sich mit Gleichgesinnten, die sich an seinen verbalen Fäkalien erfreuen. Einen gravierenden Unterschied zum Tierreich gibt es allerdings doch – ein bösartiger einzelgängerischer Elefant, der menschliche Siedlungen heimsucht, wird zum Abschuss freigegeben.
Menschen beschränken sich hingegen darauf, einen solchen menschlichen Einzelgänger aus ihrer Gruppe auszuschließen und ihn seinem armseligen Schicksal zu überlassen. Man macht einen Bogen um ihn, seinen immensen, sintflutartigen Fäkalergüssen (Verleumdung, üble Nachrede, Unterstellungen – die Reihe ließe sich unendlich erweitern) und seiner nicht minder widerwärtigen Gefolgschaft…
Dieser über ein Jahr alte Artikel aus dem ehemaligen Blog LiQ-Olymp, ist mir beim Stöbern als zeitlos und immer wieder passend aufgefallen. 😉

Quelle: http://liqolymp.wordpress.com/2008/06/12/der-bosartige-einzelganger/
Erlaubnis der Autorin dieses Artikels, diesen hier zu veröffentlichen, liegt vor.




