In einem fernen Land lebte einst ein kleiner Pillendreher namens Tumtrah, an sich war er von Geburt an nichts Besonderes, doch war dies ein Los, mit dem er sich nicht so recht zufrieden geben wollte. In ständigem Bestreben größer als alle seine Freunde zu werden, war er stets auf der Suche nach Nahrung. Wann auch immer er nur den kleinsten Hauch von Flatulenzen oder Diarrhö wahrnahm, machte er sich auf den Weg um sich reichlich einzudecken, denn für ihn galt: Von nichts kommt nichts. So rollte er Mistkugeln, was das Zeug hielt und legte sich einen ordentlichen Vorrat an. Seine Freunde sahen staunend zu und rätselten, was er denn mit so vielen Pillen anfangen würde. Der kleine Pillendreher indes rollte und rollte seine Fäkalien zusammen und wenn ihm vermeintlich mal wieder eine besonders große Kugel gelungen war, rollte er diese über den Pillendreher-Dorfplatz, baute sich vor seinen Freunden auf und gab damit an. Es gab jedoch einige Käfer, die der Sache skeptisch gegenüber standen, wie konnte dieses kleine Kerlchen so überdimensionale Pillen drehen?
So kam es, dass es sich einer dieser Skeptiker, Retep genannt – seines Zeichens ein Skarabäus – zur Aufgabe gemacht hatte, Tumtrah mal auf seinen Beutezügen, aus der Ferne zu beobachten und es war wie er vermutet hatte. Tumtrah durchstreifte die Gegend immer dann, wenn alle anderen Pillendreher bei der Arbeit waren und machte sich über deren Vorräte her. So also kam der Bursche zu Pillen, die für ihn eigentlich viel zu groß waren. Retep, der ein Gentlekäfer war, schwieg jedoch ob des Geheimnisses, welches er soeben entdeckt hatte. Er amüsierte sich insgeheim, wenn der kleine Tumtrah mal wieder ordentlich vom Leder zog, was er doch für ein großartiger Pillendreher sei, wusste Retep doch, dass dieser kleine Mistkäfer sich nur zu gern mit fremden Pillen schmückte.
So ging die Zeit ins Land und die Pillendreher gingen mehr oder weniger friedlich ihrem Leben nach. Man hatte sich daran gewöhnt, dass Tumtrah immer gern ein wenig dick auftrug, sich selbst gern größer machte als er eigentlich war und auch schon mal etwas über die Stränge schlug. Je älter Tumtrah jedoch wurde, umso garstiger wurde er auch, vor allem den jungen Pillendrehern gegenüber schlug er des Öfteren einen Ton an, der bei den Anderen so gar nicht auf Gegenliebe stieß, schließlich war Tumtrah ja auch mal jung gewesen, hatte er dies tatsächlich vergessen? Tumtrah war zwar alt geworden, aber die Weisheit hatte er offensichtlich mit dem Schaumlöffel gefressen. Und man mied ihn mehr und mehr, ja man machte sich sogar insgeheim lustig über ihn.
Retep dem diese Entwicklung so gar nicht gefiel, suchte wie es seine Art war, das Gespräch mit dem garstigen Gernegroß, stieß jedoch auf taube Ohren, Tumtrah war halt unbelehrbar und mit gutgemeinter Kritik konnte er so gar nicht umgehen, im Gegenteil er wurde sogar bösartig, suhlte sich in seiner Selbstherrlichkeit, stieß wilde Drohungen hervor und ging Retep aus dem Weg, um diesem keine Möglichkeit mehr zu geben, ihn, den größten aller Pillendreher womöglich noch bloß zu stellen. Er war schließlich Tumtrah der diplomierte Pillendreher, dass er eigentlich ein ganz kleines Lichtlein war, dessen große Pillen nicht auf seine eigenes Konto gingen, wusste ja Gott sei Dank niemand, so dachte er zumindest. Alle anderen glaubten ihm ja, dass er ein abgeschlossenes Pillendreher-Studium absolviert hatte, dafür hatte er gesorgt. Er hatte bei seinen vielen gescheiterten Versuchen, selbst etwas auf die Beine zu stellen, doch so einiges gehört und gesehen und die anderen Pillendreher fielen nur zu gern auf sein vermeintlich elitäres Geschwätz herein, eigentlich jedoch waren sie einfach nur zu bequem es näher zu hinterfragen.
Dann kam der Tag, an dem Tumtrah in seinem senilen und alten Kopf eine – wie er meinte – großartige Idee hatte, um alle anderen Pillendreher zu beindrucken. Er wollte für alle eine Pillenparty geben. Genau, eine Pillenparty das war es, alle sollten kommen und ihn empor heben, alle sollten wissen, dass er der Größte war.
Also gab er bekannt: Pillenparty mit großer Verlosung. Stelle die schönsten und größten meiner Mistkugeln zur Verfügung. Jedes Los gewinnt!!!
Schnell sprach sich die Ankündigung dieses Ereignisses herum und es kamen noch zusätzlich reichlich freiwillige Spenden zusammen, es sollte ja eine Party werden, von der man noch lange würde reden. Am Ende standen dann 20.000 Mistkugeln zur Disposition – welch ein Jackpott!
Am Tag der Party kamen alle, wirklich alle und versuchten ihr Glück in der Lotterie. Aber sie hatten die Rechnung ohne Tumtrah gemacht, jener hatte nämlich seine Meinung geändert und wollte die Kugeln doch nicht hergeben. In einer Nacht- und Nebelaktion schaffte er fast den gesamten Pillenvorrat beiseite und die betrogenen Lotterieteilnehmer schauten, bis auf die wenigen Ausnahmen, unter denen die verbliebenen Pillen verteilt wurden, in die Röhre. So hatten sie sich das nicht gedacht und sie waren enttäuscht und fühlten sich betrogen. Retep, der dem Ganzen nur als Zuschauer beigewohnt hatte, konnte das durchaus verstehen und war ob so viel Verlogenheit entsetzt! Ein Versuch von ihm, Tumtrah dem ollen Pillendreher, zu erklären, dass dies alles eine riesige Ferkelei gewesen sei, wurde wieder nur mit Beschimpfungen und Drohungen quittiert. Retep ignorierte sein großkotziges Gehabe, was sollte man bei so viel Dummdreistigkeit auch anderes tun?
Und am Ende nun noch die Moral von der Geschicht?
Traue einem dreisten, alten Pillendreher nicht! 😉 🙂 😉




