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Archive for 13. November 2009

Ein bewegendes Schicksal – Zeit zum Nachdenken …

Verfasst von: SchVVarzer Peter - 13 November, 2009

Der Tod jedes von seiner Familie und Freunden geliebten Menschen ist zweifelsfrei eine Tragödie für diejenigen die ihn geliebt, gemocht oder geschätzt haben. Wenn der Tod aber unter so dramatischen Umständen eintritt wie bei dem Nationaltorhüter Robert Enke, ist er umso mehr ein Schock, der dann oft dazu führt, dass zuvor Geheimgehaltenes und Verdrängtes zutage tritt. Robert Enke litt unter Depressionen, eine Krankheit von der Schätzungen zufolge fast jeder 10. erwachsene Mensch hierzulande betroffen ist. Vor diesem Hintergrund grenzt es schon fast an ein Wunder, dass er – zumal über einen so langen Zeitraum – fähig und in der Lage war, konstant solche sportlichen Höchstleistungen zu vollbringen. Es muss davon ausgegangen werden, dass viele Spitzenathleten in einer ganz ähnlichen Lage waren oder noch sind – das zum Glück nicht so tragisch endende aber ähnlich gelagerte  Schicksal von Sebastian Deisler dürfte vielen noch in Erinnerung sein oder gerade jetzt wieder in Erinnerung gerufen werden.

Aber auch in anderen Bereichen wie Beispielsweise Wirtschaft und Showbusiness gibt es genügend Anzeichen, dass manche Top-Leute heimlich elend leiden – es ist ein Teufelskreis.

Nicht wenige mögen nun argumentieren: „Sicher, aber einer wie Robert Enke, war privilegiert, prominent, hatte Geld, ein Umfeld das ihn stützte und beistand, er stand auf der Sonnenseite des Lebens, ihm ging es doch weit besser als anderen, die chancenlos in der Gosse krepieren oder schon in ein Umfeld ohne wirklichen Perspektiven hineingeboren wurde.“ Diese Betrachtungsweise ist sicher verständlich und auch nicht falsch, aber sie führt nicht weiter. Klar, einer wie Robert Enke war privilegiert, dies half ihm offenbar auch eine zeitlang, aber dann eben doch nicht mehr.

Der Tod von Robert Enke hat ganz intensiv damit zu tun, dass sich die sogenannte „moderne Gesellschaft“ im Wesentlichen in zwei Gruppen gliedert: die „Starken“ und die „Schwachen“. Wobei sich nicht zwangsläufig ausschließt, dass jemand reich und privilegiert ist, und dennoch schwach, also krank.

Für Schwache gibt es aber in unserer sogenannten modernen Gesellschaft, einer gnadenlosen Leistungsgesellschaft, kaum Platz, sie werden bestenfalls geduldet.

Nicht von ungefähr kommt das Nostalgiedenken vieler in der DDR aufgewachsnen Menschen, denn bei allen Ungerechtigkeiten in dieser Diktatur gab es eines in diesem Maße wie im „Westen“ nicht – den permanenten Leistungsdruck, den täglichen Kampf um’s Überleben, sowohl materiell als auch emotional.

Wer krank ist oder auch nur empfindlich, hat es in unserer Gesellschaft meist ziemlich schwer. Für „Mimosen“ ist kein Platz. Gefragt sind Robuste – wobei absolut nichts gegen Robustheit spricht, im Gegenteil. Allerdings darf die Robustheit nicht über Leichen gehen.

Das traurige Fazit aus der tragischen Geschichte um Robert Enke lautet, dass es allzu oft inhuman zugeht unter den Menschen heutzutage und dagegen gibt es bisher und sicher auch in naher Zukunft kein schlüssiges Rezept. Es bleibt allein der dringende Appell, aufmerksam zu sein und sich zu kümmern um diejenigen, die laut oder stumm nach Hilfe rufen. Es bleibt aber auch die Warnung, dass es kein gutes Ende nimmt mit einer Gesellschaft, wenn sie ausschließlich auf das Recht des Stärkeren setzt oder gar über Leichen geht.

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür, Zeit der Besinnung, aber auch wieder eine Zeit die viele aus unterschiedlichen Gründen unter Druck setzt – möge die Besinnung mit den Menschen sein.

In diesem Sinne, allen ein schönes Wochenende mit ein wenig Licht im Herzen, in diesen grauen Novembertagen.

SchVVarzer Peter

Posted in Diskussionen, Verschiedene, Wie das Leben so ... | 43 Comments »

 
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